Überblick über meine bisher abgeschlossenen Theaterstücke

I. AUF DEM CANAL GRANDE (1989/90)

nach dem Gedicht von Conrad Ferdinand Meyer, ist eine im Detail frei gestaltete Familien-Tragikomödie, die historische und erfundene Gestalten zu einem authentischen Lebensbild des alten, zeitweise in der Nervenheilanstalt Königsfelden untergebrachten Dichters zusammenfügt: Biografie ohne pädagogischen Fingerzeig. Authentische Charaktere und ein Sinnbild des Lebens im Spiegel von Alter und Rivalität.

II. KLEIST - EIN TRAUMSPIEL (1975/94)

Das Leben Heinrich von Kleists als Folie für ein labyrinthisches Drama um die Suche nach einem festen Standort..
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III. HARTWIG. Ein symbolisches Trauerspiel in drei Akten (1976/95)

thematisiert in expressiven Bildern innerhalb einer konfliktgeladenen Konstellation aus nur wenigen Personen die grundsätzliche Frage, was ein Mensch, der sein Leben auf eine Spezialbegabung abstimmen muß, mit Schnittblumen gemeinsam hat.

IV. EINKEHRTAGE. Eine Komödie (1987/95)

Im Hinblick auf eine neue Linke einerseits, Jugendliche andererseits, die Studien zufolge das Religiöse für sich neu entdecken, wird die Zeit allmählich wieder reif für eine Auseinandersetzung mit schwarzen und roten Heilslehren, mit Aufklärung und Alleswisserei. Der nach dem berühmten Philosophen Kant benannte Klostertourist bringt es auf den neuralgischen Punkt: Ich glaube, daß es schließlich auch in Europa wieder so etwas geben wird wie eine abendländische Kultur. Das Stück ist eine satirische Komödie mit makabrem Ausgang und dramatisiert das Streben nach Ausgleich mit nachfolgend umso ungehemmter ausbrechendem Konflikt. Parallelen im kleinen wie mit den großen Krisen der Erde bestehen unzufällig und erwünscht.

V. DIE IRRENDEN (1977/96)

Ein abgetakelter Kritiker. Keiner hilft ihm. Er übernachtet ein paar Mal in einer Brandruine. Dort gibt es eine skurrile Begegnung mit einer alleinstehenden Dozentin, die in einem Chor singt. Richard sucht seine Schwester auf, mit der er sich vor langem überworfen hat. Sie, eine mittelklassige Schauspielerin, zeigt sich wenig erfreut über sein Obdachersuchen. Als Rezitatorin seiner Jugendgedichte vor seiner Urne bekommt sie einen hysterischen Anfall.

VI. DIE SCHMEISSFLIEGEN. Eine antike Komödie (1972/96; Umbenennung aus Der Schwarm 2008)

Nichtsnutz, eine von Zweifeln angekratzte unkämpferische Denkernatur, mutwillig, schwer durchschaubar, wird konfrontiert mit einer Bande erklärter Bluffer, die in einer grotesken Vernissage die Grabfeier auf das Zeitalter der Dichter und Denker inszenieren. Die äußere Handlung, von antiken Komödien und Goethes Walpurgisnacht angeregt, ist einfach, farcenhaft, derb, das Geschehen zwischen den Zeilen umso doppelsinniger und philosophischer. Maßstäbe erscheinen auf den Kopf gestellt, und in einer Schlacht dekadenter Unappetitlichkeiten tummeln, oder richtiger: suhlen sich neben einer Handvoll Profischauspielern ganze Scharen von Laien in schütteldurchreimten Sketchen und schriller Pantomime. Die Drahtzieher nehmen mit der priesterlichen Choreographie ihrer Amtshandlungen und der (heiligen) Zwölfzahl ihrer ausgestellten Zerfallsprodukte eine angestammte Tradition aufs Korn, erwarten aber denselben kultischen Respekt. Ein Schelm, wer Übles dabei denkt.
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VII. DAS BILD, DAS SPIEL, DIE STIMME. Eine Trilogie

Diese Szenen aus dem bürgerlichen Alltag und weiter draußen, um Sinnbilder gruppiert und durch sie und teils versteckte Gemeinsamkeiten verwandtschaftlich geordnet, thematisieren das Verlangen von Menschen nach Geborgenheit und unterschiedliche Stufen der Gewährung und der Versagung. Im ersten der drei Kurzdramen, MATHILDES ZWEISAMKEIT (1976/96), treffen zwei Menschen unterschiedlichen Alters und Interesses aufeinander, die Einsamkeit einer liebebedürftigen Witwe und die wirre, zwischen Sympathie, Ablehnung, Spiel und Berechnung schwankende Haltung eines 25jährigen. Nach Jahren im Ausland klopft er unangemeldet wieder an, sie erleidet einen Anfall und stirbt vor Zorn oder vor Glück, was wir nie erfahren werden. Die Doppelszene EINE HÜTTE ZU VIEREN (1978/96) gibt Momente im Leben zweier problematischer und zweier eher ausgleichender Menschen wieder. Ausgelöst durch einen Scherz brechen Verwerfungen und Verstörungen in der Gruppe auf. Der Einakter NACH DEM STÜCK (1978/96) versammelt eine kleine Gesellschaft nach einer Theatervorstellung. Über dem Gespräch über Inhalte des gesehenen Theaterstücks und die Leistungen der Darsteller gehen unerwartet eine Ehe, eine Affäre und eine Freundschaft in die Brüche.

VIII. DIE LAUSIGKEIT DER LIEBE, DES LASTERS UND DER LUST. Semikomödie um einen Politikverdrossenen. In zwei Akten (1993/97)

In Anlehnung an Person und Schlüsselsituationen im Leben des jungen bzw. alten Franz Grillparzer wird die allgemeine Frage aufgeworfen, ob und, wenn ja, in welchem Maße ein gleichermaßen leidenschaftlicher wie intelligenter Mensch Leidenschaften dreingeben, hochgesteckte Pläne zurückdrehen und dem Mittelmaß seiner Umwelt entgegenkommen kann, ohne sein Leben als ganz gescheitert zu erleben. Die Wärme und atmosphärische Dichte einiger Grillparzerscher Dramen klingt an.

IX. NORA 1996 (1982/97; rev. 2008)

Drama um Beziehungen, Egoismen und Befreiungen. Der Titel erklärt sich als Anklang an Ibsens berühmtes Gesellschaftsstück. Die Frau 1996 ist so emanzipiert, daß sie im Rollenspiel der Frau-Mann-Konzeption durchaus die Position des Mannes übernehmen kann und dies absichtsvoll, bis in sexuelle Maskeraden hinein, tut.

X. DER FALTER IM SPINNENNETZ. Eine zweitausendjährige Komödie. Göttlich (1997)

Was wäre, wenn der geschichtliche Jesus, in einer Art Dantescher Wanderung durch die Welten, erleben müßte, was die Menschen aus ihm machten? Er wäre verzweifelt. Mit Mitteln der Satire und Sympathie für die unbefangen aus den Quellen filtrierte Gestalt wird diese gegen die Legenden ausgespielt und verteidigt, die sie ersticken. Ein Appell, überhaupt menschlich miteinander umzugehen, dadurch daß wir einander gelten lassen, als das was wir sind: Menschen!
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XI. DIE STUNDE DES PILATUS (1981/98; rev. 2008)

Polen 1980, Deutschland 1998, Palästina um das Jahr 30, die DDR mit ihren Grenzanlagen und Reisebeschränkungen, ihre Stasi - hier als die Ungeliebten von den Toten auferstanden - gaben Anregung zu einem fiktiven Staat Utopia, in dem seit 50 Jahren ein nachdemokratischer Ausnahmezustand herrscht mit einem Diktator an der Spitze. Dieser heißt Pilatus und inszeniert das Gezänk seiner Untertanen wie ein Spiel auf dem Theater. Hintersinnige Intrige, bizarre Staatsaktion, teils schwarze Komödie, teils blutige Jagd und Schachspiel, witzig, ungeachtet ehrgeiziger Ausmaße gedrängt und voller Überraschungen: Politik entsteht als - zweifelhafte - Form des dichterischen Gebrauchs von Realität, als - fragwürdiger - Ausdruck der Fantasieeigenschaften im Menschen. Fantastisch ist auch die Marotte, an der Pilatus leidet. Sie bildet die heimliche Quelle seiner Unruhe und seines Strebens nach Macht. Auf einer weiteren Ebene zeichnet das Stück Schwerpunkte der Vita Jesu nach, verknüpft sie neu, verfremdet, ironisiert sie und macht sie nutzbar für heutigen Gebrauch. Die Anspielungen erhöhen den Reiz, sind für ein Verständnis aber nicht erforderlich. Sonderwissen wird also nicht vorausgesetzt, wohl dagegen starke Nerven in Anbetracht einiger gewagter Szenen.

XII. AM RANDE (1983/98 unter dem Titel Gorilla Affe Adolf; rev. und Titel geändert 2008)

spielt während einer Nacht und beleuchtet den gegensätzlichen Werdegang zweier ehemaliger Klassenkameraden und eines ihrer Lehrer. Auf unterschiedliche Weise und mit unterschiedlichem Gelingen antworten sie auf Probleme ihres Selbstwertgefühls und ihrer Beziehungssehnsüchte. Kritisch hinterfragt werden die Hilfsmöglichkeiten des örtlichen Wohlfahrtsverbandes.

XIII. DER DEZERNENT (1976/98)

Erik, erfolgloser Pianist und Kandidat für das Kulturdezernentenamt, sehnt sich danach, seine Brottätigkeiten an den Nagel zu hängen: Klavierunterricht und Aufsätze über Musikgeschichte, Konzertveranstaltungen, Opernpremieren. Er schafft seinem Überdruß an Mozart, Beethoven und anderen Säulenheiligen des klassischen Musikbetriebs in skurrilen Ausfällen Luft. Da machen ihm seine parteiinternen Widersacher einen Strich durch die Rechnung. Zum Verhängnis wird ihm eine gewisse Vorliebe für wesentlich jüngere Partnerinnen. Ein Sicherheitsrisiko für die Würde des Amtes! Mehr als die lokalpolitische Intrigenposse nimmt ihn indessen die lästige Beziehung zu seiner Nachbarin Hilde mit.

XIV. GESPRÄCH MIT EINER TOTEN (1985/98)

Monologstück. Beichte eines Sexualmörders. Geschichte einer sexuellen Obsession. Die Geschehnisse unmittelbar vor Beginn der Handlung werden erst im Verlauf des "Gespräches" deutlich.
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XV. RUDI, SUSANNE UND TANTE FRIEDAS ABLEBEN (1980/98)

ist eine Kriminalgeschichte, die mit der Schilderung des Täters und seiner Motive beginnt und mit der Tat endet. Zwangsvorstellungen, eine Krankheit, ein Mord - aber das ist nicht alles: Wege werden gegenübergestellt, wie Menschen versuchen, ihr Potential an Liebe umzusetzen. Dies nimmt die Bedeutung an von: sich um jemanden/etwas kümmern. Oder: mit wem verschafft Liebemachen den größten Kick? Ist Liebe ein Brunnenwasser, das sich verströmt und nie ausgeht?

XVI. DIE HEIMKEHRER (1979/98 unter dem Titel Marc macht sich schuldig; rev. und Titel geändert 2008)

Surreale Szene. Zwei Aussteiger an einem abgelegenen Flecken Erde: Marc, ein nur in der Ablehnung der politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse entschlossener Chaot, und Jürgen, ein ihm ohne Erfüllung ergebener Mitläufer. Sie erhalten Besuch von zwei Frauen mit einem toten Kind: Petra, die von Marc schwanger war und ihn lange suchte, und Elke, eine um ihr Comeback kämpfende lesbische Ministerin. Jahre nach ihrer rituellen Hinrichtung erscheinen die Frauen den Männern wieder im Traum. Das Leben wird den beiden Deserteuren der Gesellschaft zu einer nicht mehr ordbaren Folge verwirrender Versatzstücke. Es geht um Ideale, Entschlüsse, Versäumnisse, Mißverständnisse und Scheitern. Eine Heimkehr kann es für keinen der Akteure geben - Heimkehr würde eine Heimat voraussetzen, und die bietet sich ihnen weder in Naturnähe noch Ferne zu ihr draußen in der alten Zivilisation.

XVII. WIRBEL UM JOHANN SCHMANT (1988/99)

handelt von einem Komponisten, seinem Interpreten, beider Entdeckerin, Papstkarikaturen und den Wirren unmöglicher Beziehungen.

XVIII. ROMAN FORSTER LIVE - EINE TALKSHOW (1987/99)

Eine mit Geschmacklosigkeiten liebäugelnde, von Werbeunterbrechungen rhythmisierte Veranstaltung mit angeblichen Klienten des Psychologen Roman Forster. Es stellt sich heraus, daß die Teilnehmer bezahlte Schauspieler sind. Ob sogar der Talkshow-Geschädigte Viktor das Opfer nur mimt, genau wie die Reality-TV-Einlage gegen Ende eine abgesprochene Gaukelei zu sein scheint?

XIX. DIE NACHT GEHT AUF (1984/99; rev. 2008)

Der arbeitslose Junglehrer Hans zerbricht an der Ungerechtigkeit der Welt und entführt den Manager und Ministeranwärter Lockmann. Er erzwingt einen Dialog, bei dem sich Allgemeines und Persönliches, Politisches und Privates zu einem packenden Porträt zweier Menschen an entgegengesetzten Polen der Gesellschaft verbinden. Obwohl die Zeiten der RAF und der linken Ideologen vorbei sind, erscheinen die Hintergründe, die zu terroristischem Widerstand führen, in einer sich immer deutlicher abzeichnenden Zweiklassengesellschaft und Mehrere-Welten-Welt brisanter denn je. Lockmann wird zum Prototypen eines wendigen Politikers, der aus allen Situationen geschickt das (für sich) Beste herausschlägt, während Hans auf gerechte Verhältnisse pocht - für die er keine Lösung kennt - und die Anpassung verweigert. Dem Stück gelingt ohne Nachahmung der Spagat zwischen persönlicher Betroffenheit und objektiver Themenerfassung im Anklang an die klassische Tradition.

XX. LENNIEFF (1984/2000)

Soll und darf Politik etwas bewegen? Vielleicht möchten das nur die, die nichts zu verlieren haben: die Sterbenden. Herzberg ist so ein Sterbender. Und er wird noch einmal Präsident einer ungenannten westlichen Demokratie. Seine Anhänger bemerken seinen Zustand spät. Werden sie ihn gewähren lassen bei seinem ultimativen Treffen mit dem mächtigen russischen Staatsmann Lennieff? Das Stück nimmt eine Konstellation aus Conrad Ferdinand Meyers Novelle DIE VERSUCHUNG DES PESCARA auf: die Gestalt des Politikers in Todesnähe, seine Politik im Bewußtsein nahen Endes, befreit von den Rücksichten, die die Gesunden ihre Pfründe verteidigen und Reformen blockieren lassen. Der Tagespolitik wird ein Spiegel vorgehalten, Reformern aber die Frage gestellt, ob ihr Tun ab einem gewissen Grenzwert nicht als gemeingefährlich erlebt wird. Eines steht jedenfalls fest: die Überlebenden spotten über den Reformeifer des Reformers im fröhlichen Wissen, daß sich nichts ändern wird.

XXI. wegen Ausschreibung vorerst zurückgehaltener Text.

XXII. IM VORHOF DES LEBENS (1987/2001)

schildert die konfliktträchtige, schillernde, auch lustvolle Begegnung eines frühemeritierten Psychologieprofessors mit einem Edelprostituierten. In vier Stationen wechseln Lügen und Wahrheiten, hintergründige Reflexionen und heftige erotische Aktionen bis zum bitteren Ende ab.

XXIII. WELLEN MATHILDE UNFALL. Ein Wirrspiel (1983/2002)

Spannungen aus der Anfangszeit ihrer Ehe zwischen dem arroganten Schriftsteller Edwin Spöker und seiner einfachen Frau Mathilde brechen nach Jahren wieder auf. Verschärft wird der Konflikt durch das widersprüchliche Verhalten des Sohnes Peter, in dessen eigener Laufbahn sich die Widersprüche des Elternhauses spiegeln.

XXIV. DER FRAGWÜRDIGE. Eine alte Farce (1985/2002; Umbenennung 2008)

Kann als kleinbesetzte Alternativfassung zu DIE SCHMEISSFLIEGEN. Eine antike Komödie (VI) angesehen werden, weiterentwickelt aus einem gemeinsamen Urbild. Die Unterschiede halten jedoch den Gemeinsamkeiten die Waage. Thema und Ausgang sind geblieben, verändert sind Rahmen und Gestalt - einfache Szene gegen Simultanbühne, Dialog- gegen Handlungstheater, Literatur- gegen Konzeptkunstevent, Kammerspiel gegen personales Großaufgebot, Dreiaktigkeit gegen pausenloses Spiel.

XXV. WOLKENFARBEN I (1971/99; rev. 2008/10)

(siehe unter XXVII)

XXVI. WOLKENFARBEN II (1971/2002; rev. 2008/10)

(siehe unter XXVII)

XXVII. WOLKENFARBEN III (1972/2002; rev. 2008/10)

(vgl. XXV und XXVI)

Die zu drei Großeinheiten gebündelten Lyrika WOLKENFARBEN vermitteln einen Blick auf die Welt aus unmittelbar persönlichen Sichten. Durch strenge Gliederungsraster werden diese in Erörterungen allgemeiner Art hineingebändigt (ähnlich den Gedichten Conrad Ferdinand Meyers). Wahrnehmung ordnet sich, teils ausdrücklich, teils durch die schnell wechselnden Einstellungen und Formen, um Grundmetaphern des Flüchtigen an. Die Reise findet einzig in der Selbsterkenntnis Halt. Es ist eine Reise der Imagination und des schwenkenden Kamerablicks. Das Leben als Vorstellung in der Unverbindlichkeit unbefreiter Imagination.

Das Ich lernt darüber den Spott und sogar das Lachen.

XXVIII. INVENTION FÜR EINEN SCHAUSPIELER (2002)

Ausschnitt aus dem alltäglichen Leben eines Unmutigen. Eine Stunde Zorn, Nachdenklichkeit, Spott. Und in Abwesenheit stirbt derweil ein alter Mann. Die Stunde der Lebensbilanz des Sohnes gerät zur letzten Stunde im Leben des Vaters. Und wie meistens beim Tod bleibt ein unerledigter Rest.

XXIX. SPIELE AUF DER ENDSTATION (2002)

Acht Schwerkranke führen im Theaterraum einer Klinik selbstverfaßte Szenen auf. Sie kreisen um berühmte Persönlichkeiten, um den Tod und um sich selbst. Geschichte und eigene Geschichten, Bestehen und Vergehen, Spiel und Ernst durchdringen einander unentwirrbar.

XXX. EISLAUF (1986/2009)

handelt von den Beziehungswirren junger Leute und der Gesellschaft, die mit ihren Idealen Haltung und Glücksprognose des einzelnen bestimmt. Das für eine Aufführung an einem Abend fast zu umfangreiche Stück ist die Dramatisierung eines Romans, den es so nicht gibt, es sei denn in Gestalt des wirklichen Lebens.

XXXI. DIE LETZTEN KAISER VON TRIER (2009)

ist das erstvollendete einer Reihe von Stücken, die die Trierer Spätantike mit zeitgenössischer Thematik verbinden und so angelegt sind, daß sie im Freien an historischer Stätte, etwa im Amphitheater oder in den Kaiserthermenruinen in Trier, ideal aufgeführt werden können. Reale Ereignisse der Epoche, oft weichenstellend für die Zukunft, erscheinen im Spiegel der Rückschau. Ein Dreigestirn antiker Gottheiten - Parodie! - läßt im Zeitrafferverfahren revüpassieren, was Laune macht, und nimmt bei einer Zeugenvernehmung - Jüngstes Gericht? - die Strippenzieher ins Verhör.

Für DIE LETZTEN KAISER VON TRIER stand die machtpolitisch unruhige, religionsgeschichtlich bedeutsame Periode der kleinen Herrscherdynastie Ende des vierten Jahrhunderts Pate: Gratian und sein unglücklicher, zum Herrschen viel zu junger Halbbruder Valentinian, dazwischen der Usurpator Maximus. Der Machtkampf zwischen tüchtigen, aber nicht dynastietauglichen Heermeistern fränkischer Herkunft und unerfahrenen Erbfolgern eskaliert und bricht dem gerade einmal 20jährigen Valentinian das Genick.

In die Herrschaft des Soldatenkaisers Maximus fällt die erste Verurteilung eines Häretikers. Trier genießt das zweifelhafte Verdienst, für die Ketzerverfolgungen und -hinrichtungen späterer Jahrhunderte den Präzedenzfall geliefert zu haben. Die Verurteilung Priszillians spielt im Stück eine wichtige Rolle wie auch die Intervention des bekannten Bischofs Martin von Tours und die kirchenpolitischen Schachzüge des Trier-Mailänder Bischofs Ambrosius.

XXXII. WILLKOMMEN, CONSTANTIN! (2009)

behandelt Ereignisse zwischen dem letzten Trierer Amtsjahr des Junioraugustus Maximian 293 und seiner Ermordung nach seinem Versuch 310, den Purpur wiederzuerlangen. Er erscheint hier als ein bauernschlauer, doch kollegialer und populärer Spieler der Macht. In seinem Schwiegersohn und Nachnachfolger Constantin findet er einen windig durchtriebenen Meister.

Der Zwischenkaiser, Constantins Vater Constantius Chlorus, empfindet die Macht dagegen als Last und zerbricht an der Bürde, die ihm das Gesetz zur Verfolgung der Christen auferlegt.

Dieses Gesetz war einer der letzten Rechtsakte, die der Senioraugustus Diocletian vor seiner offiziellen Abdankung erließ mit dem Ziel, die Spaltung, die vom erstarkenden Christentum ausging, zu unterbinden. Diocletian, ein außerordentlich tüchtiger und pflichtbewußter Verwalter der Macht, ist die tragende Gestalt der Epoche. Leider wirkte er nicht in der Nebenmetropole Trier. Um die Visionen, Bruchstellen, Erlasse seiner Regentschaft aufscheinen zu lassen, erfindet der Text den Handelsherrn Aurelius, seinen aufmüpfigen Sohn Marcus, der das Geschäft wie ein Hasadeur betreibt und in Konflikt mit dem Gesetz gerät, und seine eigensinnige Tochter Aurelia, die, um dem Wochenbettschicksal der Mutter zu entgehen, vom ehelosen Leben einer Klosterfrau träumt - Gelegenheit, die historische Constantinmutter und spätere Kaiserin Helena einzuführen. Sie spielt im dritten Stück der Reihe eine tonangebende Rolle.

XXXIII. KAISERIN HELENA (2009)

behält die Bilderbogenform der Vorgängerstücke bei, ist aber stärker von antiken Topoi, z. B. dem Rachemotiv, geprägt.

Der innerkirchliche Streit im Nachklang der Diocletianischen Christenverfolgung ("Donatistenstreit") bildet den Anfang. Offizielle Religionspolitik und innere Fehden durchdringen einander innerhalb der Konstellation Constantin-Fausta-Crispus. Fausta erstickt im ¨berhitzten Bad. Im zweiten Akt folgen wir Helena auf ihrer Pilgerreise nach Jerusalem. In Trier wird der vom altgäubigen Handelsherrn Marcus gefälschte und als Beutestück von Banden nach Germanenland lancierte "Heilige Rock" verehrt. Jupiter beendet das Spektakel mit einem seiner Blitze und Helena, zu schlechter Letzt von der Demenz erfaßt und von "Experten" ihres Sohnes manipuliert, verteidigt die Echtheit der gefundenen Nägel der Kreuzesreliquie, die sie beim Auffinden noch als Fälschung identifizierte.